Die Cersaie in Bologna gab sich in diesem Jahr bodenständig: aus italienischer Sicht eine solide Leistungsschau. Die Präsentationen der Kollektionen waren ausgesprochen „user friendly“. Ziel der Unternehmen: sich in erster Linie als zuverlässiger Industriepartner des Handels zu zeigen. Hauptthemen: dünne Fliesen und Nachhaltigkeit.
Die italienische Industrie wählte einen pragmatischen Ansatz und steht damit stellvertretend für die aktuellen Messetrends. „Keine Experimente“, so könnte das Motto der Cersaie 2009 lauten. Opulente Dekoransätze waren kaum vertreten. Geschmacklich zeigte sich der Keramiksalon sehr europäisch geprägt.
In den neuen Kollektionen gaben insgesamt die Bodenbeläge den Ton an. Bekannte und bereits konsolidierte Materialien wie Natursteinreproduktionen waren besonders häufig zu sehen. Marmor, Stein & Co. zählen zu den Klassikern im Fliesensegment und haben ihre Stellung in diesem Jahr weiter ausgebaut. Die Fortschritte in den Fertigungstechniken und Glasurverfahren verändern dabei stetig die Oberflächenoptik der Verkleidungen.
Das Angebot an Holz- und Parkettreproduktionen präsentierte sich sehr breit aufgestellt. Zumeist in parkett-typischen Formaten bis zu Kantenlängen von bis zu 120 Zentimetern wie bei Marazzi und Caesar zeichnen die Produkte die Oberfläche der Hölzer sehr überzeugend nach. In der Regel kommen hier digitale Glasurverfahren zu Einsatz, die in den italienischen Werken sehr verbreitet sind. Die Produkte geben sich ´mal eleganter, ´mal etwas natürlicher oder leicht rustikal. – Beide Produktfamilien sind im Grunde am Markt bereits konsolidiert, so dass die Industrie hier erst mal auf Nummer sicher ging.
Ein Ausrufezeichen setzten die italienischen Unternehmen mit der sehr breiten Markteinführung von trocken gepressten, dünnen Fliesen in den Stärken 4,5 bis sechs Millimetern. Sollten sich die hohen Erwartungen der Industrie in diesem Bereich erfüllen, könnten sich für den Handel und das Gewerbe weiter Einsatzgebiete für die Verlegung von Keramikfliesen ergeben. Den Transport und den Umgang mit großen Formaten machen die neuen Produkte schon jetzt einfacher.
Klar ist auch, dass Industrie, Handel und Gewerbe im Dialog und in enger Abstimmung die Chancen der Materialien am Markt ausloten müssen. Diesem stehen damit zwei keramische Materialien in Unterstärken zur Auswahl: die bereits seit längerem bekannte Laminam-Technologie im Format 100 x 300 Zentimeter und, seit diesem Jahr, trocken gepresste Fliesen. Letztere ergänzen in der Regel bestehende Kollektionen, denen sie optisch entsprechen.
Dass die italienische Industrie gerade zum gegenwärtigen Zeitpunkt mit den Produkten aufwartet, zeigt, dass die Unternehmen in Sachen Innovation und Produktentwicklung weiterhin eine Führungsrolle beanspruchen. Der positive Verlauf der Cersaie und der Zuspruch des Fachpublikums scheint dies zu bestätigen.
Keramikfliesen in Natursteinoptik waren in den aktuellen Kollektionen wieder verstärkt anzutreffen. Das Angebot reichte hier von eleganten, hellen Materialien wie Carrara-Marmor über Travertine bis zu Quartzgesteinen oder Materialien in minimalistischen Farben, die sehr häufig gezielt für Objekte angeboten werden.
Die Keramikfliesen der Kollektion „Trust“ von Atlas Concorde haben sich zum Beispiel Quarzitgesteine und den „Pietra di Luserna“ als Vorbild genommen. Die Fliesen in den Formaten 60 x 60, 40 x 60, 30 x 60 sowie 20 x 60 und 30 x 30 Zentimeter – jeweils rektifiziert – reproduzieren die intensiven Farben und Maserungen der Steine und erreichen in der Ausführung „Grip“ eine Rutschsicherheitsgrad von R 12.
Ceramica Fioranese stellte unter anderem die Kollektion „Nu_Travertine“ in den drei Farbstellungen „Cream“, „Silver“ und „Walnuß“ vor. Das Produkt zeichnet die Oberfläche des natürlichen Vorbildes überzeugend nach. Hierbei kommen digitale Glasurtechnologien zum Einsatz. Die Fliesen sind in den rektifizierten Formaten 45 x 90, 60 x 60, 45 x 45, 30 x 60 sowie 30 x 30 Zentimeter im Programm. Die genannten Abmessungen sind auch nicht rektifiziert lieferbar. Bei der Fertigung werden zu 42,5 Prozent recycelte Materialien verwendet.
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