Mit den Kenntnissen zum Gütesiegel für nachhaltiges Bauen kann der zukunftsorientierte Fassadenbauer bei der Auftragsvergabe punkten. Die Details liefert der Beitrag.
Nachhaltige Immobilien sind umweltfreundlich, ressourcensparend, für ihre Nutzer behaglich und gesund und fügen sich optimal in ihr soziokulturelles Umfeld ein. In gleicher Weise stehen sie für wirtschaftliche Effizienz und langfristigen Werterhalt. Nachhaltige Bauwerke überzeugen durch niedrige Betriebs- und Unterhaltskosten.
Die „Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen DGNB“ ist angetreten, um Nachhaltigkeit messbar und bewertbar zu machen. Rund 180 unabhängige Experten haben sich in einem zweijährigen Arbeitsprogramm darauf verständigt, welche Aspekte zum nachhaltigen Bauen gehören. Das Resultat ist ein Katalog mit 63 Kriterien, die in sechs Themenfelder gruppiert sind. Jedes Kriterium ist darin mit präzisen Anforderungen an das Gebäude aufgeschlüsselt.
Der Kriterienkatalog gibt eine Orientierungshilfe für die gesamte Baubranche und hat zwei Stoßrichtungen: Die Kriterien dienen als Grundlage für eine Bewertung der Nachhaltigkeit von Gebäuden. Die DGNB hat dafür ein Zertifizierungssystem geschaffen – das „Deutsche Gütesiegel Nachhaltiges Bauen“. Zugleich werden Bauherren, Architekten, Fachplanern und Bauausführende die Kriterien – auch unabhängig von einer Zertifizierung – für die Planung von nachhaltigen Gebäuden nutzen.
Das Gütesiegel (etwa achtzig Objekte haben es bereits) sorgt am gesamten Gebäude für Überblick und deckt alle relevanten Felder des nachhaltigen Bauens ab. Es zeichnet herausragende Gebäude in den Kategorien Gold, Silber und Bronze aus. Das Siegel umfasst die drei klassischen Säulen der Nachhaltigkeit – also Ökologie, Ökonomie und Soziales – und ergänzt sie um weitere drei Felder, die für die Baubranche zentral sind: um technische Qualität, Prozessqualität und Standortqualität.
Ein Grundgedanke des Gütesiegels ist es, nicht einzelne Maßnahmen zu bewerten, sondern die gesamte Leistungsfähigkeit des Gebäudes. Dieser ganzheitliche Ansatz hat einen Vorteil: Ein gutes Ergebnis bei der Zertifizierung lässt sich mit völlig unterschiedlichen Maßnahmen im Gebäude erreichen. Bauherren, Architekten und Planern bleiben so größtmögliche Freiheiten. Die Gebäudehülle als Ganzes hat zwar eine zentrale Bedeutung für die Nachhaltigkeit. Aber das Gütesiegel macht keine Vorgaben zur konkreten Umsetzung und auch nicht zum Werkstoff – etwa Stahl oder Aluminium. Es kommt immer auf die Auslegung des individuellen Gebäudes an. Die Wahl der Baumaterialien geht nur indirekt in die Bewertung ein, zum einen über eine Ökobilanz, zum anderen über die Lebenszykluskosten des Materials.
In der Kriterienliste des Gütesiegels tauchen viele für den Verarbeiter bekannte Themen auf. Hier die Auswahl einiger metallbaurelevanter Kriterien:
Zu den übergeordneten Kriterien gehören:
- Qualität der ausführenden Unternehmen (Kriterium 49),
- Qualitätssicherung der Bauausführung (Kriterium 49),
- Baustelle/Bauprozess (Kriterium 48) (dazu zählen Stichworte wie abfallarme, lärmarme und staubarme Baustelle).
Dazu kommen im Fachgebiet des Metallbauers:
- Brandschutz (Kriterium 33): erhöhte Feuerwiderstandsklassen, kleinere Brand-/Rauchabschnitte, Alarmierungsanlagen etc.,
- Schallschutz (Kriterium 34): Luftschallschutz gegenüber Außenlärm, Luftschallschutz gegenüber Arbeitsbereichen durch Trennwände, Trenndecken etc.,
- Sicherheit und Störfallrisiken (Kriterium 25): Fluchtwege etc.,
- thermischer Komfort im Sommer und Winter (Kriterium 18 und 19): Temperatur, Zugluft, relative Luftfeuchte, Strahlungstemperaturasymmetrie,
- wärme- und feuchteschutztechnische Qualität der Gebäudehülle (Kriterium 35): thermische Behaglichkeit, Vermeidung von Bauschäden,
- Reinigungs- und Instandhaltungsfreundlichkeit des Baukörpers (Kriterium 40): dies betrifft unter anderem nicht tragende Konstruktionen innen und außen, inklusive Fenster und Außentüren,
- visueller Komfort (Kriterium 22) (Tageslichtverfügbarkeit im Gesamtgebäude und an Arbeitsplätzen, Blendfreiheit, Tageslicht- und Kunstlichtplanung etc.).
Bei diesen Kriterien kann ein Metallbaubetrieb aufzeigen, dass er kompetent mit den Themen umgehen kann. Dies betrifft vor allem die Ausführung, aber auch die Beratung und gegebenenfalls die Unterstützung bei Planungen. Es kann ihm helfen, Aufträge zu bekommen, vor allem in dem Segment, bei dem Qualität ein Gewicht hat. Darüber hinaus kann er seine Arbeit offensiv im Marketing und bei Ausschreibungen in den Zusammenhang des Gütesiegels stellen.
Wenn nach Projektqualifikationen gefragt wird, kann er sein Engagement in Firmenbroschüren, der Website oder anderen Unterlagen deutlich machen. Nachhaltigkeit kann sich auch als interessanter Aufhänger entwickeln, um das eigene Unternehmen mit diesen Fragestellungen fit und zukunftsfähig zu machen.
Lesen Sie mehr in M&T Metallhandwerk Ausgabe 11/09.